Restaurierung der Reneka One am 03. November 2007

Die Vorgeschichte

Nachdem ich seit einiger Zeit eine „ordentliche“ Espresso-Maschine besitze, das entsprechende Equipment habe und alles soweit beherrsche, hat sich langsam aber sicher der Wunsch breitgemacht, einmal eine alte Maschine zu restaurieren.
Hierzu habe ich eine Weile verschiedene Angebote bei E-Bay beobachtet, bis mir eine Maschine aufgefallen ist, die von der Firma Reneka hergestellt wurde und die nur direkt in München abgeholt werden konnte. Da ich in München wohne, war dies kein Problem. Zudem sah die Maschine auf den Bildern sehr gut aus und ich habe einfach mal mitgeboten. Am Ende habe ich die Auktion tatsächlich gewonnen, der Preis ging auf 160€. Meiner Meinung nach war das ein Schnäppchen, da andere Maschinen ähnlichen Kalibers, die aber von bekannteren Herstellern stammen, teilweise deutlich teurer weggehen.
Da Reneka jedoch zu den renommierten Herstellern gehört und sowohl im Heim- als auch im Gastro-Bereich auch momentan sehr attraktive, wenn auch teure, Maschinen anbietet, musste es nicht unbedingt Faema, Astoria oder LaCimbali sein.
Also ging es Anfang November zum Abholen der Maschine …

Der erste Eindruck

Im Vorfeld hatte ich mich bereits bei einem Händler in Berlin erkundigt, ob prinzipiell für die Maschine noch Ersatzteile zu bekommen sind. Da dies bejaht wurde und die meisten Teile der Maschine Standard-Teile sind, habe ich mich einfach mal daran gemacht, die Maschine auseinanderzubauen und das Ganze von Innen anzuschauen.
Zusätzlich habe ich bei Reneka angefragt, ob es zu der Maschine nnoch Unterlagen gibt. Der sehr freundliche Herr bei Reneka hat die Unterlagen dann umgehend einem Unternehmen in München geschickt, wo ich diese abholen konnte.

Der Transport Richtung Auto wurde beim Abholen der Maschine in München mit Hilfe eines kleinen Sackkarrens gemeistert, da das Teil ca. 45kg wiegt und Tragen somit nur für kurze Strecken in Frage kommt 😉
Im Auto hat sich dann langsam ein intensiver Geruch nach ranzigem Fett und Zigarettenrauch breitgemacht. Wahrscheinlich stand das Teil in irgendeiner Kneipe in der Küche und wurde recht selten oder nie geputzt.

Da die Reneka-Maschinen den Ruf haben, sehr stabil und hochwertig aufgebaut zu sein, habe ich mich aber eher auf die Aufgabe gefreut. Außerdem macht Rauch und Fett erst mal nichts kaputt und man sieht schnell Erfolge beim Reinigen.
Alle Teile der Maschine sind aus massivem Metall, sogar die Seitenteile sind massiv (vermutlich Druckguss) und lassen sich getrennt abnehmen.

Von außen war die Maschine ziemlich ordentlich, nur im Bereich der Brühgruppe waren starke Verschmutzungen und ordentliche Mengen Kalk zu erkennen:

Ansonsten scheint die Maschine – bis auf den fehlenden Siebträger und das fehlende Anschlussmaterial – komplett zu sein.

Nachdem also die Ersatzteilversorgung und die technische Dokumentation geklärt waren, habe ich mich ans Zerlegen gemacht.


Die Werkzeuge

Nachdem die Maschine soweit zerlegt war, wurde schnell klar, dass auch das einfach Schrubben der Teile nicht ausreicht.
Deshalb bin ich erst mal los und habe mich auf die Suche nach dem richtigen Reinigungszubehör gemacht. Folgende Dinge haben sich als brauchbar erwiesen:

  • Für die Entfernung des gröbsten Schmutzes an den Seitenplatten der Maschine war das gute alte Persil in Pulverform prima; einfach ein wenig auf den Schwamm packen, anfeuchten und loslegen.
  • Bei den ganzen Kalk-Geschichten kommt man um Zitronensäure eigentlich kaum rum. Diese greift die Komponenten der Espresso-Maschine nicht oder kaum an und es entstehen keine giftigen Verbindungen. Beim Entkalken von einkreisigen Maschinen gibt es noch den Vorteil, dass man ab und an probieren kann 🙂 Wenn man also einen Liter Säure durch den Kessel gepumpt hat und den Kessel wieder mit Frischwasser füllt, kann man anhand des Geschmacks des Wassers, das aus dem Brühkopf kommt, beurteilen, ob bereits alle Säure aus dem Kessel raus ist. Dabei sollte man aber natürlich sehr vorsichtig sein!
  • Für den Brühkopf der Reneka und den heftig festsitzenden Schmutz und Kalk darin habe ich mir in einem Tabakwarenladen einfach eine ganze Packung Pfeifenputzer gekauft. Diese sind schön dünn, biegsam, schonend durch Stoffbesatz und zusätzlich auch noch spottbillig (ca. 3€ pro 50 Stück).
  • Ansonsten natürlich noch Schwämme, Lappen und das übliche.

Damit hat man dann erst mal alles zusammen, was man zum Putz-Angriff auf die Kiste benötigt.

Als nächstes Stand die Beschaffung der Werkzeuge auf dem Programm. Da ich über eine recht ordentlich ausgestattete Werkstatt verfüge, war eigentlich alles vorhanden, was benötigt wurde. Wesentlich waren aber die folgenden Teile:

  • Ein vollständiger Gabelschlüsselsatz
  • viele Inbus-Schlüssel
  • eine Rohrzange
  • am besten noch ein verstellbarer Gabelschlüssel (ich kenne das Ding als Franzosen), um bei allen großen Schraube, die sich so um den Kessel gruppieren, gegenhalten zu können und so zu verhindern, dass man etwas beschädigt.

Das Zerlegen

Nach dem ersten Kennenlernen der Maschine habe ich direkt begonnen, die offensichtlichen Schrauben zu lösen und die Maschine zu zerlegen.
Zunächst war das Blech der Tassenablage dran. Das Blech selbst war, bis auf kleinere Kalkspuren, sauber. Nach dem Entfernen kamen aber recht hässliche Spuren unter der Tassenablage zum Vorschein. Anscheinend sind auf der Maschine häufig Kaffee-Getränke ausgelaufen und haben sich dann unter dem Blech verteilt. Das Blech wurde dann anscheinend ab und zu gereinigt, darunter in den letzten Jahren wohl nicht mehr.
Nach dieser Entdeckung ging es dann an die Seitenteile. Diese sind mit Klammern oben an der Maschine fixiert und unten am Rahmen eingehängt. Die Klammern sind geschraubt und ließen sich sehr leicht entfernen. Auch auf der Innenseite der Seitenabdeckungen waren heftige Spuren von Kaffee, Rauch und Fett zu erkennen:

Als alle äußeren Anbauteile (Tassenablage, beide Seitenteile und die Rückwand) entfernt waren, ging es an die Innereien der Maschine.
Da ich der Meinung war, dass der Kessel sicher sehr stark verdreckt und verkalkt sein wird, habe ich als erstes alle Verbindungen am Kessel gelöst, um diesen halbwegs freizulegen. Dabei war es auch nötig, den Heizstab aus dem Kessel auszubauen. Nach dem Lösen der Plastik-Kappe, die sich über den elektrischen Kontakten am Heizstab befindet uns diese vor Schmutz und Spritzwasser schützt, waren die Schrauben, die den Heizstab im Kessel fixieren, recht einfach zu lösen.
Auch hier lässt sich wieder gut erkennen, dass die Maschine qualitativ sehr gut verarbeitet ist, da es sich bei allen Teilen um Standard-Schrauben handelt, die in den meisten Fällen sogar eher überdimensioniert sind.
Als der Heizstab entfernt war, war klar, dass ich mit der Vermutung, dass der Kessel sehr stark verkalkt sein wird, genau richtig lag:

Als nächstes ging es daran, die ganzen Teile zu lösen, die den Kessel fixieren. Dazu habe ich zunächst alle am Kessel befestigten Rohre entfernt. Danach musste ich mich dann über den Brühkopf hermachen, da dieser direkt am Kessel befestigt ist und daran der Wärmetauscher sitzt.
Hierzu wurden zunächst weitere Bleche an der Front der Maschine demontiert, um die Brühgruppe freizulegen. Zusätzlich mussten auch hier die jeweiligen Zu- und Ableitungen entfernt werden. Einerseits gibt es hier die Ableitung vom Magnetventil Richtung Ablauf. Andererseits ist am Brühkopf die Zuleitung von der Pumpe befestigt. Das Kupferrohr wird am Brühkopf verschraubt, ein darin eingelassenes Teflo-Rohr geht durch den Brühkopf auf den Boden des Wärmetauschers und pumpt das Frischwasser dort hin. Von dort wird es dann aufgrund der Temperatur des umgebenden Kessels erhitzt und durch den aufgebauten Druck in den Brühkopf und dann weiter zum Duschsieb befördert. Hier die Bilder vom Kessel und dem Brühkopf (das dritte Foto wurde nach dem Reinigen und Entkalken aufgenommen, verdeutlicht aber den Aufbau ganz gut; das blaue links ist das Magnetventil):

Da ich zu diesem Zeitpunkt schon recht viel Material gesammelt hatte, das teilweise auch sehr schmutzig war, habe ich es mit demontieren erst mal bleiben lassen


Die Reinigung

Nachdem der Dreck gesichtet war, habe ich mich daran gemacht, die ganzen Teile, die ich bis zu diesem Zeitpunkt gelöst hatte, Richtung Waschbecken zu schleifen und zu reinigen.
Als Reinigungsmittel habe ich zunächst alle Teile in einer leichten Zitronensäure eingelegt, damit die gröbsten Spuren Kalk abgehen und sich vielleicht auch schon Schmutz löst, der festgebacken war.
Nach dem Säurebad habe ich mich dann an die starken Fett-, Rauch- und Kaffeebeläge gemacht. Diese ließen sich ziemlich gut mit Hilfe von Persil lösen. Da sich das Waschbecken in der Waschküche im Keller befindet und eine ganze Menge Persil in den guten 10kg-Tonnen rumsteht, wurde dieses direkt mit einer Bürste aufgetragen und dann geschrubbt, bis sich alles ordentlich gelöst hat. An dem folgenden Foto kann man den Unterschied zwischen gereinigt und ungereinigt erkennen:

Zusätzlich kann man auch den Mechanismus sehen, wie die Platten an der Maschine angebracht sind. An der linken Platte sind alle angeschraubten Teile entfernt, um besser reinigen zu können. An der rechten Platte ist aber noch die angeschraubte Schiene zu erkennen, die unten am Rahmen der Maschine eingehängt wird. Der kleine Bügel (rechte Platte ganz rechts) wird dann entsprechend von den Klammern gehalten.

Auch die Bleche der Tassenablage und alle weiteren bis zu diesem Zeitpunkt entfernten Teile habe ich direkt gereinigt. Es waren jedoch zunächst nur Anbauteile, da ich die Maschine von außen nach innen zerlegen wollte, damit ich nicht die Übersicht verliere. Außerdem war an den Außenteilen recht schnell zu erkennen, dass es voran geht, da der Schmutz hier offensichtlich und richtig dick war. Und um sich zu motivieren braucht man ja erst einmal Fortschritt, der Rest kommt dann von selbst.

Der schwierigere Teil der Reinigung begann, als ich den verkalkten Kessel behandeln wollte. Da das Verbindungsstück Richtung Brühkopf ziemlich lang ist und auf sich der gegenüberliegenden Seite der Anschraubpunkt für die Befestigung am Gehäuse der Maschine befindet, hat leider auch ein normaler Putzkübel nicht mehr ausgereicht:

Vor dem Baden im Putzkübel habe ich den Kessel erst einmal unter fließendem Wasser ausgespült, die Überreste sind in dem blauen Waschkorb auf obigem Bild noch zu erkennen.
Danach musste das Teil inklusive Wärmetauscher in besagten Putzkübel umziehen, in dem ich bereits heftige Mengen Zitronensäure mit heißem Wasser gemischt hatte. Leider ist es bei diesem Vorgehen jedoch nicht möglich, das Wasser nachzuheizen. Somit konnte dies nur als erste Reinigung dienen. Dafür hat es aber heftig gesprudelt. Für die weiteren Arbeiten an dem Kessel musste ich mir aber etwas anderes überlegen.
Da mein Wochenende aber erst einmal vorbei war, habe ich es dabei bewenden lassen.


Weitere Bilder

Alle Bilder, die in diesem Artikel aufgeführt sind, gibt es auch in meiner Foto-Galerie. Dort sind natürlich wesentlich mehr Fotos hinterlegt:

Falls Jemand die Bilder dort in höherer Auflösung benötigt, kann ich diese gerne auf Anfrage zur Verfügung stellen.

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